Member’s Voice – Jochen Hein, von Herzen…

p1050695.jpg

***

Schade, ich dachte hier in ARTDOXA kann man mal einen Diskurs starten.

 

Ich verstehe die Kunstwelt, wie ich sie zu erkennen meine, immer besser:
Die Künstler sind harmlose Opfer, die in Ruhe ihren Quatsch veranstalten
wollen.

 

 

 

Und sie sind die arglosen und leicht zu verschleißenden Spielbälle von Typen, die speziell darauf keine Rücksicht nehmen.

 

 

 

Ich gehöre eigentlich auch in die erste Kategorie.

 

 

 

Aber nicht zuletzt mit der Idee zu ARTDOXA wollte ich mich und andere da rauslocken, und

zumindest

teilweise selbst zu den Spielern machen.
Es ist interessant – mit einem geringfügig größeren Abstand fühle ich ein “Aha”.

 

 

 

Alle Versuche, in Sachen Kunst ein Forum zu etablieren, das in Engagement und Anstand konstruktive Auseinandersetzung erlaubt, wie wir sie aus allen anderen
Bereichen – außer in der Religion! – erleben können, sind doch bisher
regelmäßig fehlgeschlagen.

 

 

 

Mag ja toll sein, dass ich mich dazu bereit fühle.

 

 

 

Aber das ist dann doch so exotisch, wie wenn ein zutiefst spiritueller, gläubiger Mensch meint, mit
Papst, Mullah und Teufel die Grundlagen religiöser Weltsicht ernsthaft verhackstücken zu können.

 

 

 

Echt: Wach auf Jochen!

 

 

 

Gespräche über Kunst brauchen einen Schutzraum, eine Sphäre der zusätzlichen Absicherung, damit sie überhaupt stattfinden.

 

 

 

Und doch haftet ihnen sofort das Unerhörte, das Ungezogene an.

 

 

 

Gewisse Heilige faßt man nicht an.

 

 

 

Und außerhalb privater Gespräche werden sowieso verbindliche Kriterien als Grundlage der Kritik grundweg, ubiquitär und von jedermann bezweifelt.

“Nö, is doch schön … wenn er es mag”.

 

 

 

Die Aussage ist: Kunst ist nicht community-fähig.

 

 

 

Es ist Privatsache.

 

 

 

Während das Bedürfnis nach Aufgehobensein als Schutz vor der
Vergeblichkeit, der Nichtigkeit des Menschen durch das so verbreitete
Interesse am Glauben durch Religion institutionalisiert werden kann, also
auch community-fähig ist, so ist das Bedürfnis nach Kunst und Kunst-Ausüben
so selten und vereinzelt, dass es die paar Schafe, falls sie sich überhaupt
mal je auf der Koppel treffen, sofort versprengt, sobald auch nur ein
vermeintlicher Wolf den Kopf hebt.

 

 

 

Diese armen Lämmchen.

 

 

 

Und was wünschen sie sich?

 

 

 

Einen Messias immer mal wieder?

 

 

 

Dass die Hölle unserer Existenz mehr köstlich Röstaromen dem allgemeinen und unbestimmen guten Geschmack der Massen hinzufügen möge?
Weil ich die Welt mal wieder nicht so haben wollte, wie sie nun mal ist?

 

 

 

Kann man sie denn nicht ändern?

 

 

 

Geht mich das was an?

 

 

 

Ja, ich hielt das bei meinen Möglichkeiten für meine Pflicht. Diese Art des Dienen-Wollens muß anmaßend wirken, wenn es sich um eine Sache handelt, die “man nicht anfaßt”.

 

 

 

Gar nicht so verwunderlich, dass ich der Kunst und den Künstlern mehr zugetraut habe. Der Junge der leidenschaftlich und begnadet Fußball spielt, wundert sich nicht über den faszinierenden Zirkus der Weltmeisterschaft.

 

 

 

Er wundert sich erst, wenn er im Transfersummen-Trainerkarusell-Verletzungs-Doping-Poker blank dasteht.

 

 

 

Oder wenn er erst gar nie mitspielen durfte.

 

 

 

Alle haben gesagt: Hey ARTDOXA, gute Idee! Community for contemporary art!

 

 

 

Ritter der Kokosnuß, hier hilft doch nur noch die Steigerung des Schwachsinns!

 

 

 

Nicht einmal, dass man diskutiert, macht Sinn. Bis in die beschützenden Turnhallen der Ausdruckssportler dringt kein Laut, den sie verstehen oder auch nur verstehen wollten.

 

 

 

Ist doch schön, jeder macht sein Ding. Kunstmachen entspringt einem dumpfen und unbestimmten Drang, sich ausdrücken zu wollen, that’s it!

 

 

 

Und jetzt, Jochen, halt’ die
Fresse!


Best regards,
Jochen

p1050855.jpg

 

 

 


 

 

 




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

***

Photography: Peter Bies © 2009

11 thoughts on “Member’s Voice – Jochen Hein, von Herzen…

  1. Sorry for having this in english. But I would not be able to express that in any other language than my own.
    Thank you Ektoras for your nice words and tolerance.

  2. “Die Künstler sind harmlose Opfer, die in Ruhe ihren Quatsch veranstalten
    wollen.” Nix! Opfer geht nur, wenn man Geld für etwas will. Kein Geld, kein Zwang.
    Ich würde meinen Quatsch auch lieber in schöner Lautstärke veranstalten, wenn das was ändern würde. Ich finde ARTDOXA klasse. Allein schon, weil es Spass macht und einem auch in diesen lausigen Zeiten zeigt, dass man nicht allein ist. Das ist eine Menge.
    Und wegen Peter Bies. Und wegen all der anderen. Und nicht zuletzt wegen Dir, Jochen.
    Also mach Dir ne Flasche auf und MACH WEITER!
    Wir tun das für uns, nicht für die New World Order.
    Herzlichst,
    Stephan
    UND LEST ALLE MEHR VON DANIELE GANSER!!!
    🙂

  3. Danke, Stephan, für Deine ermutigenden Worte.

    Aber zu Deinem Einwurf: dass es erst wenn es ums Geld geht, von Opfern die Rede sein kann, ist ganz falsch. Ich weiß, dass Du gar nicht auf die Frage nach dem Geld fixiert bist – im Gegenteil, darum tummelst Du Dich ja auch aus ureigenstem Antrieb.

    Aber da, bei diesem Antrieb, und zwar schon in Kindestagen und bis ins Sterbebett des Künstlers, gibt es scheinbar gerade nur Schwung genug, um die Sachen auf die Welt zu bringen. Aber sie auf den Weg in die Welt zu bringen, sich zu stellen, sie da zu verteidigen usw. dazu fehlt es dann. Das Problem des Lämmchens hat viel weniger mit Geld als mit der Angst vor Zurückweisung zu tun.

    Nicht dass ich another casting show for artists gutheißen würde. Aber die Casting-Deppen haben tatsächlich mehr Eier und kriegen bessere Antworten, als sie zu hause von Freunden und Familie erwarten dürfen, nämlich: “Wow, das hast Du aber schön gemacht …” .

    “Wir tun das für uns, nicht für die New World Order”, sagst Du. Entschuldige, wo ist doch gleich der Unterschied? Sind wir den so abgekackt hedonistisch? Danach wäre die vornehmste Aufgabe des Kreativen, sich rauszuhalten? Na, dann gehe ich jetzt mal lieber wieder in meinen Elfenbeinturm.

    Nun diskutieren wir ja doch, wa? Genießt das Wochenende, Jochen.

  4. Jochen – auch mir reicht es völlig, daß ich auf Artdoxa was Mega-Subjektives rauslassen kann – und dabei auch noch eine Handvoll Fans habe (Danke Stephan!), die das schätzen!

    Und dabei auch noch Spaß haben kann!

    Leiden an der Kunst?
    Nö, für’s Leiden habe ich meine neurotischen Fehlanpassungen… dafür muss die Kunst nicht herhalten.

    Und wie war das noch mit dem “Leiden auf hohem Niveau”…?
    Come on Jochen… Du BRAUCHST das!

    Und noch der unfähigste, talentfreieste Casting-Depp bekommt genau das von Freunden und Familie zu hören:

    “Du bist ECHT toll!”

    Dieter holt diese Typen dann in die Wirklichkeit zurück.

    Ich hab’ auf Artdoxa ja mal den Dieter gemacht… Madame Sarastro… die kam dann gleich mit Anwalt und so…

  5. Danke, Jochen, Danke Peter!
    Jochen – vielleicht ist das Elfenbeinturm und Angst vor Zurückweisung, mag sein.
    Nur, wen stört das? Mir reicht es völlig, eine Idee zu HABEN. Was zur Hölle soll ich verteidigen? Allein das Wort! Oder KÄMPFEN. Scheisse, ich war Zivi – und aus gutem Grund.
    Ich kämpfe für und gegen gar nichts. Go with the flow – sagt der Taoist. Lass geschehen.
    Wer zum Dieter will, soll gehen und hören, was der MEISTER zu sagen hat. Der kriegt zu hören, was er verdient, nicht, was er IST. Und überhaupt, wer ist Dieter B.? Reicht das heute schon, reich zu sein, um Bedeutung zu erlangen? Der Mann ist erfolgreich, ohne Frage – aber in einem Schizo-Business. Und das gleiche gilt für Werbung. Und den Kunstmarkt. Märkte mit Marktgesetzen eben. Do what thou wilt shall be the whole of the Law.
    Gesetze sind von Menschen gemacht, also nicht in erster Linie natürlich. Kunst machen aber ist ein natürlicher Vorgang, Vermarktung nicht. Das meinte ich. Die Maschine greift erst, wenn man sie annimmt. Und jetzt: Frohsinn. Wu wei!
    Und ein herrliches Wochenende.

  6. moin junkens,

    es bleibt dabei, der hehre wunsch nach konstruktiv kritischem diskurs und auseinandersetzung mit dem “werk” und dabei gleichzeitig einen misthaufen auch misthaufen nennen zu dürfen und das auch noch mit seidiger eloquenz zu formuliert zu sehen, das vermisse ich natürlich…

    dieses duett wir hier nicht gespielt werden können!

    um es kurz zu machen: es gibt in diesem forum keine sogenannten personen des öffentlichen lebens, die
    uns das erlauben ließen.
    schade, aber die konsequenzen feinsinniger blutgrätschen kennen wir bereits.(“ich sach das meiner mama”)

    so bleibt es dabei: was gefällt, wird belohnt, mantel des schweigens über den rest!

    vielleicht so rum: ich komm aus mir raus, hau was hin, habe meinen spass mit artdoxa und den freunden, pinkel ihnen auch gerne mal ans bein, die nehmen es mit humor und freuen sich auf ihre nächste chance, wo auch immer…

    ich freue mich über die lebendigkeit, die vielfalt, etc., der nunmehr 989 members (ich erwarte hier im blogg eine eloge über artdoxa und einen gimmick für member 1.000)

    und jochen, du hast nähe geschaffen, hast die leude herausgelockt aus ihren koben, ob nun künstler oder nicht!

    andere begeistern in kommentaren mit einfühlung und kenntnisreichem sachverstand, weltweit!

    come on, that´s fucking great!

    ganz andere verlangen alte pappen, passfotos und ids und wehe da wird nichts draus, da muss was kommen!

    you know what i mean!

    junkens,

    bleibt am ball!

    ansonsten: schön das wir mal drüber gesprochen haben!

    cheers peter

  7. Ja, mein peckmaster, das verstehe ich.
    Ehrlich: Ich bins zufrieden und danke meinen neuen und alten Freunden auf ARTDOXA.

    Vielleicht sollte man aber mal dazu aufrufen beim Member 1.000 volles Pfund zu kommentieren, loben, kritisieren, alle müssen ran, und dann sofort featuren, das volle Programm, dass die unfassbarste Lawine der Aufmerksamkeit losgeht – damit mal ordentlich alles in Schwung kommt?!?
    Die/Der wird sich wundern … hi,hi 🙂

  8. Hallo Jochen,

    hatte das bereits beim Eintritt in Artdoxa gelesen und fand es gut. Jetzt finde ich es umso trefflicher weil tatsächlich real. Leider ist das Ganze eben einfach nur so wie (und was) es ist, und leidenschaftlichen Menschen fällt dieser buddhistische Ansatz manchmal schwer.

    Also weder Forum oder Austausch, noch das MySpace für Künstler, noch verkappte Singlebörse, noch irgendetwas in der Art. Man lädt seine Bildchen hoch, schaut auf die Klicks und freut sich über einen Favorite, mit artigem Bedanken beim User. Kommentare abzugeben fällt anscheinend schwer, da für alle anderen sichtbar. Eine eigene Meinung zu haben sowieso, ob nun “Künstler” oder nicht. Boring, boring.

    Dennoch besser gemacht als das Meiste, was ich sonst im Netz gefunden habe – zumindestens vom Design her. Und die robots von Google arbeiten hier extrem schnell, trotz fehlender Werbung.

    Anyway, cheers to all!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s